Die EM 2016 – ein Überblick

Die Europameisterschaft 2016 wurde noch einmal nach dem klassischen Verfahren an nur einen Gastgeber vergeben. Zum 60-jährigen Jubiläum der kontinentalen Meisterschaft wird es 2020 dann erstmals ein neues Format geben. Dabei werden nur das Halbfinale und das Finale im Londoner Wembley-Stadion ausgetragen. Die restlichen Spiele finden in verschiedenen europäischen Metropolen statt, darunter auch in der Münchener Allianz Arena. Das alles ist aber noch Zukunftsmusik. 2016 werden alle Spiele der EM-Endrunde auf französischem Boden stattfinden. Fans, die einmal das Flair eines großen Kontinentalturniers mit vielen verschiedenen Fangruppen genießen möchten, sollten sich also im nächsten Sommer auf den Weg nach Frankreich machen.

Frankreichs Fußballfans hoffen auf eine spannende EM 2016
Frankreichs Fußballfans hoffen auf eine spannende EM 2016

Der Gastgeber

Frankreich wurde am 28. Mai 2010 durch das UEFA-Exekutivkomitee zum Gastgeber der Europameisterschaft 2016 bestimmt. Nach 1960 und 1984 findet damit bereits zum dritten Mal eine Fußball-EM in Frankreich statt. Diese Tatsache rief durchaus auch Kritik hervor. Einige Beobachter sahen insbesondere die Rolle des französischen UEFA-Präsidenten Michel Platini kritisch. Dieser war als Spielmacher der französischen Nationalmannschaft 1984 im eigenen Land Europameister geworden und hatte sich für die Vergabe in sein Heimatland stark gemacht. Besonders enttäuscht von der Vergabe nach Frankreich war die Türkei. Das Land war noch nie Gastgeber einer Europameisterschaft und hatte sich bereits für die Austragungen 2008 und 2012 erfolglos beworben.

Paris in Frankreich - eines der Spielstätten 2016
Paris in Frankreich – eines der Spielstätten 2016

Die Spielorte

Das Eröffnungsspiel und das Finale werden jeweils im Stade de France in Paris stattfinden. Das französische Nationalstadion wurde eigens für die Weltmeisterschaft 1998 gebaut und wird seitdem nur vereinzelt für Fußballspiele genutzt. Mit einer Kapazität von 81.338 Zuschauern ist es aber das mit Abstand größte Stadion des Landes. Straßburg und Nancy verzichteten aus finanziellen Gründen auf die Ehre EM-Spiele auszutragen, so dass neben dem Stade de France und dem ebenfalls in Paris liegenden Prinzenpark noch acht weitere Städte als Austragungsorte dienen: Marseille, Lyon, Lille, Bordeaux, Saint-Etienne, Nizza, Lens und Toulouse. Die Stadien in Lille, Lyon, Nizza und Bordeaux wurden dabei neu errichtet, die anderen zumindest renoviert.

Die Qualifikation

Direkt qualifiziert war lediglich der Gastgeber Frankreich. Die anderen 53 europäischen Fußballnationalmannschaften spielen in einer Qualifikation die noch verbleibenden 23 Startplätze aus. Diese findet in acht Sechsergruppen und einer Fünfergruppe statt. Gespielt wird in Hin- und Rückspiel jeder gegen jeden. Anschließend qualifizieren sich die beiden Gruppenersten, sowie der beste Gruppendritte direkt für die EM-Endrunde. Die acht anderen Gruppendritten spielen in Playoffs mit Hin- und Rückspiel dann die restlichen vier Startplätze aus. Bei der Berechnung des besten Gruppendritten ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Um die Teilnehmer der Fünfergruppe nicht zu benachteiligen, werden auch bei den anderen Teams jeweils die Spiele gegen den Gruppensechsten herausgerechnet. Das sind die bisherigen EM 2016 Teilnehmer:

Der Modus

Durch die Aufstockung der Teilnehmerzahl auf 24 Nationalmannschaften wurde auch ein neuer Modus notwendig. Auf große Experimente wird die UEFA dabei allerdings verzichten. Stattdessen orientiert man sich an der Fußball-Weltmeisterschaft, die beispielsweise 1990 ebenfalls mit 24 Mannschaften stattfand. Der damals genutzte Modus wurde nun einfach übernommen. Gespielt wird in sechs Vierergruppen. Die beiden besten Teams jeder Gruppe, sowie die vier besten Gruppendritten ziehen dann ins Achtelfinale ein. Von dort aus geht es dann wie gewohnt im KO-Modus weiter. Für die Teams bedeutet dies, dass eine schwache Vorrunde oftmals noch durch starke Spiele in der KO-Phase ausgeglichen werden können. So wurde Argentinien bei der WM 1990 nur Gruppendritter, zog dann aber noch ins Finale ein.

Bekannte Namen

Obwohl die Qualifikation noch läuft, lässt sich bereits jetzt sagen, dass in Frankreich einige der Topstars des internationalen Fußballs auflaufen werden. So ist bei Gastgeber Frankreich zwar Franck Ribery inzwischen aus der Nationalelf zurückgetreten. Mit Stürmer Karim Benzema und dem für mindestens fünfzig Millionen Euro zu Manchester United gewechselten Anthony Martial verfügt das Gastgeberland aber dennoch über eine starke Offensive. Ebenfalls bereits sicher für die EM qualifiziert sind David Alaba mit Österreich und Wayne Rooney mit England. Zahlreiche weitere Topstars liegen mit ihren Teams zudem auf Kurs: Cristiano Ronaldo mit Portugal, Andrea Pirlo mit Italien und Cesc Fàbregas mit Spanien dürften ebenfalls bei der EM vertreten sein. Selbiges gilt für die deutschen Nationalspieler rund um Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller. Zittern müssen allerdings zwei andere europäische Stars: Arjen Robben mit den Niederlanden und Zlatan Ibrahimovic mit Schweden drohen die EM in Frankreich zu verpassen.

Das Logo der Fußball-Europameisterschaft 2016 wurde von der portugiesischen Agentur Brandia Central entworfen und umgibt den EM-Pokal mit den französischen Farben und einigen Symbolen im Hintergrund. Der Slogan der EM wiederum darf als Einladung an Fußballfans aus ganz Europa verstanden werden. Er lautet „Le Rendez-Vous“ und soll vor allem zwei Dinge zum Ausdruck bringen. Einmal, dass die Europameisterschaft ein friedliches Fußballfest für alle Nationen Europas werden soll. Zum anderen ist damit aber auch das Zusammentreffen der französischen Kunst und Kultur mit den ausländischen Gästen gemeint. Diese sollen Land und Leute auch außerhalb der Fußballstadien kennen lernen.

EM 2016 Logo (Copyright UEFA)
EM 2016 Logo (Copyright UEFA)

Maskottchen

Der Name des EM-Maskottchens wurde basisdemokratisch per Internetabstimmung festgelegt. Zur Auswahl standen Goalix, Driblou und Super Victor. Die User entschieden sich dann für Super Victor. Dieser stellt eine Mischung aus fußballspielendem Jungen und einem Superhelden dar. So trägt er einerseits Fußballschuhe, andererseits aber auch einen wehenden Umhang. Hose, Trikot und Umhang ergeben zudem die Farben der französischen Flagge: Rot, Weiß und Blau.

3D soccer ball with France team flag, world football cup Brazil 2014
3D soccer ball with France team flag, world football cup Brazil 2014

Sponsoren

Die Sponsoren des Turniers sind in zwei Klassen unterteilt. So gibt es globale Sponsoren, die von der UEFA rekrutiert wurden und nationale Sponsoren, die der französische Verband organisiert hat. Zu den internationalen Firmen, die mit der Europameisterschaft werben dürfen gehören dabei große Namen wie McDonald’s, Coca-Cola und Continental. Zu den nationalen Förderern zählen unter anderem die aus dem Radsport bekannten Unternehmen Crédit Agricole und Française des Jeux. Die einzelnen Nationalteams laufen natürlich ohne Trikotsponsor auf. Die Ausrüster dürfen ihr Logo aber auf der Spielkleidung platzieren. Adidas und Nike haben dabei die Favoriten unter sich aufgeteilt: Deutschland und Spanien spielen in Adidas-Trikots, während England und Frankreich auf Nike-Fabrikate setzen.

Fernsehübertragung

Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gehören zur Grundversorgung und werden daher von ARD und ZDF übertragen. Wie bei den Europameisterschaften zuvor ist davon auszugehen, dass auch die Spiele ohne deutsche Beteiligung auf den beiden Sendern zu sehen sein werden. Die Rechte kosteten dabei Medienberichten zufolge 180 Millionen Euro.